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Das Wort zum Sabbat

„Erinnere dich – handle und bleibe nicht allein“

Der Sabbat unterbricht unseren Alltag. Er ist mehr als eine Pause von der Arbeit – er ist eine Einladung, uns selbst wiederzufinden. Und er ist ein gemeinsamer Tag: Niemand hält Sabbat nur für sich. Wir treten heraus aus dem Getriebe der Woche und treten ein in die Gemeinschaft – mit Gott und miteinander.

Im Zentrum dieses Tages steht das Erinnern. Nicht ein zufälliges Zurückdenken, sondern ein bewusstes Gedenken. In der Bibel ist Erinnern immer ein Akt des Glaubens – und fast immer ein Weg in die Gemeinschaft.

Sich erinnern: Was Gott für uns getan hat. Gott weiß, wie schnell der Mensch vergisst. Darum durchzieht die Heilige Schrift ein roter Faden: „Vergiss nicht!“ „Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103,2)

Gott ruft sein Volk immer wieder zur Erinnerung an sein Handeln: Er hat gehört, als das Volk in Ägypten schrie; - Er hat gesehen, als sie unterdrückt wurden; - Er hat gehandelt, als sie sich selbst nicht befreien konnten.

Die Erinnerung an den Auszug aus Ägypten wurde zur Grundlage der Identität Israels. Sie wussten: Wir sind ein Volk, weil Gott uns befreit hat. Nicht Leistung, nicht Stärke, nicht Einigkeit hat sie zusammengeführt – sondern Gottes Tat.

Auch unser Glaube beginnt nicht bei uns, sondern bei dem, was Gott getan hat: Er hat uns zuerst geliebt; - Er ist uns entgegengekommen, noch bevor wir ihn gesucht haben; - Er hat Gemeinschaft angeboten, wo Trennung war.

In Jesus Christus wird dieses Handeln Gottes greifbar. Gott bleibt nicht fern, sondern tritt in unsere Welt ein. Er teilt unser Leben, unsere Verletzlichkeit, unsere Schuld – und trägt sie. „Daran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben für uns gelassen hat.“ (1. Johannes 3,16). Sich daran zu erinnern heißt: Ich stehe nicht allein vor Gott. Ich muss mich nicht selbst rechtfertigen. Ich gehöre zu einer Gemeinschaft der Gerufenen.

Sich erinnern: Gott schafft Gemeinschaft. Gottes Handeln zielt nie nur auf Einzelne. Schon der Sabbat selbst ist ein gemeinschaftlicher Raum: Nicht nur der Einzelne soll ruhen – sondern auch Familie, Fremde, Knechte, Mägde. „… damit dein Knecht und deine Magd ruhen wie du.“ (5. Mose 5,14)

Erinnerung an Gottes Befreiung führt zur Rücksicht aufeinander. Wer sich erinnert, dass Gott niemanden ausschließt, beginnt, auch selbst niemanden auszuschließen. In der frühen Gemeinde lebte diese Erinnerung weiter: Sie blieben beieinander. Sie teilten, was sie hatten. Sie trugen einander im Gebet und im Alltag. Gemeinschaft entsteht dort, wo Menschen sich gemeinsam erinnern: an Gottes Treue, an gemeinsam durchstandene Zeiten, an geteilte Hoffnung.

Sich erinnern: Was Geschwister für uns getan haben. Auch unsere persönliche Glaubensgeschichte ist nie eine Einzelleistung. Da waren Menschen: die uns im Glauben begleitet haben, die für uns da waren in Krankheit, Trauer oder Zweifel, die uns getragen haben, als wir selbst nicht mehr konnten. Diese Erinnerungen verbinden. Sie erinnern uns daran, dass wir Teil eines Leibes sind – angewiesen aufeinander. Dankbarkeit für Geschwister wächst dort, wo Erinnerung gepflegt wird. Und Dankbarkeit ist der Boden, auf dem Gemeinschaft bestehen kann.

Sich erinnern – und fragen: Was habe ich für den Nächsten getan? Der Sabbat lädt uns ein, ehrlich zu werden – nicht hart, sondern wahrhaftig: Wo habe ich Gemeinschaft gesucht – und wo vermieden? Wem hätte ich näher sein können? Wo habe ich aus Zeitmangel Liebe aufgeschoben? Jesus verbindet Erinnerung, Gemeinschaft und Handeln untrennbar: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander.“ (Johannes 13,34) - Nicht abstrakt, sondern konkret. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Nicht allein, sondern miteinander.

Erinnern, das unser Tun verändert. Erinnern kann heilen, verbinden und bewegen: Es öffnet unsere Augen für den anderen. Es macht uns barmherzig statt gleichgültig. Es stärkt die Gemeinschaft, weil wir erkennen: Wir leben von derselben Gnade.

Der Sabbat gibt uns Raum, diese Erinnerung neu einzuüben – damit unsere Woche geprägt ist von einem Glauben, der nicht nur gedacht, sondern gelebt wird.

Vielleicht ist das das Gebet dieses Sabbats: Herr, erinnere uns an dein Handeln – damit wir einander nicht vergessen. Möge unser Erinnern uns zusammenführen. Möge unsere Gemeinschaft ein Zeichen deiner Liebe sein. Und möge unser Tun daraus erwachsen – still, treu und gut.

In diesem Sinne wünsche ich und allen einen gesegneten Sabbat.

Kurt Buehler

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