Das Wort zum Sabbat
VERSPRECHEN – Das Gewicht eines Wortes
Der Sabbat ist ein Geschenk Gottes an uns. Der Sabbat lädt uns ein, innezuhalten. Er ruft uns heraus aus der Geschwindigkeit des Alltags, hinein in die Stille vor Gott. Und vielleicht ist gerade dieser Tag besonders geeignet, um über ein Thema nachzudenken, das unser Glaubensleben und unser Miteinander tief prägt: das Versprechen.
Ein Versprechen ist mehr als eine freundliche Zusage. Es ist mehr als ein gut gemeinter Satz. Ein Versprechen ist eine bewusste Bindung: Ich gebe mein Wort – und lege damit ein Stück meiner Glaubwürdigkeit in die Hände eines anderen. Wo Versprechen leichtfertig gegeben werden, wird Vertrauen zerbrechlich. Wo sie ernst genommen und gehalten werden, entsteht Sicherheit, Tiefe und Frieden.
Gott – der Gott der gehaltenen Versprechen
Die Bibel zeigt uns von der ersten bis zur letzten Seite einen Gott, der hält, was er zusagt. Gott ist kein Mensch, dass er lügt. Was er verspricht, das erfüllt er – auch wenn Zeit vergeht und Umstände dagegenzusprechen scheinen.
Er versprach Abraham einen Sohn – und schenkte ihm Isaak.
Er versprach Israel Befreiung – und führte sein Volk aus Ägypten.
Er versprach Erlösung – und erfüllte dieses Versprechen in Jesus Christus am Kreuz.
Josua fasst es am Ende seines Lebens so zusammen: „Es fiel kein Wort dahin von all den guten Verheißungen, die der HERR gegeben hatte.“ (Josua 21,45) Auch der Sabbat ist ein Zeichen dieser Treue. Woche für Woche erinnert er uns daran: Wir dürfen ruhen, weil Gott zuverlässig ist. Nicht unsere Treue trägt unser Leben – sondern seine.
Menschen und ihre Versprechen – zwischen Mut und Schwäche
Die Bibel verschweigt nicht, dass Menschen mit Versprechen ringen. Sie zeigt Glaubenshelden – und sehr menschliche Schwächen.
Petrus ist dafür ein eindrückliches Beispiel. Voller Leidenschaft versprach er Jesus: „Und wenn ich mit dir sterben müsste – ich werde dich nicht verleugnen.“ Doch wir wissen, was folgte: In der Nacht der Prüfung brach sein Versprechen. Angst war stärker als Mut, Selbstvertrauen größer als Wachsamkeit.
Und doch ist Petrus ein Hoffnungszeichen. Jesus verwirft ihn nicht. Er stellt ihn wieder her, fragt nach seiner Liebe und vertraut ihm neu Verantwortung an. Petrus lernt: Nicht große Worte tragen den Glauben, sondern ein demütiges, ehrliches Herz.
Ein anderes Beispiel ist Jeftah (Richter 11). In einer Notlage gab er Gott ein unbedachtes Gelübde – und hielt es, obwohl es tragische Konsequenzen hatte. Seine Geschichte mahnt uns eindringlich: Versprechen sollen nicht leichtfertig gegeben werden. Gott erwartet keine voreiligen Worte, sondern Wahrheit und Besonnenheit.
Beide Geschichten zeigen uns: Gott nimmt Versprechen ernst – aber er geht barmherzig mit Menschen um, die lernen müssen, verantwortungsvoll mit ihren Worten umzugehen.
Unsere Versprechen vor Gott. Auch wir haben Versprechen abgelegt. In der Taufe haben wir uns bekannt: „Ich gehöre Christus. Ich will ihm nachfolgen.“ Dieses Versprechen war kein einmaliger Moment, sondern der Beginn eines Lebensweges.
Der Prediger mahnt: «Wenn du Gott ein Gelübde tust, zögere nicht, es zu erfüllen.“ (Prediger 5,4–5). Und Jesus erinnert uns daran, wie wichtig Wahrhaftigkeit ist: „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein.“ (Matthäus 5,37)
Gott verlangt keine perfekten Menschen, aber er wünscht sich ehrliche Herzen. Ungehaltene Versprechen trennen uns nicht von seiner Liebe – doch sie können unsere geistliche Klarheit und Glaubwürdigkeit schwächen.
Versprechen im Leben der Gemeinde. Auch unser Miteinander als Geschwister lebt von der Verlässlichkeit unserer Worte. Gemeinde ist kein Ort perfekter Menschen, sondern ein Raum des Vertrauens.
Wenn wir sagen: „Ich bete für dich“, „Ich bin für dich da“, „Du kannst auf mich zählen“, dann sind das kleine Versprechen – aber sie haben große Bedeutung.
Paulus schreibt: „Einer trage der anderen Last.“ (Galater 6,2)
Wo Versprechen gehalten werden, wächst Gemeinschaft. Wo sie regelmäßig gebrochen werden, entstehen Enttäuschung und Rückzug. Eine Gemeinde verliert ihre Kraft nicht zuerst durch Fehler, sondern durch Unverbindlichkeit.
Eine Einladung zur Sabbatruhe – und zur Ehrlichkeit. Der Sabbat ist ein Tag der Gnade. Aber auch ein Tag, an dem wir unser Herz prüfen dürfen. Vielleicht fragen wir uns heute still vor Gott:
- Wie gehe ich mit meinen Worten um?
- Welche Versprechen habe ich gegeben – Gott gegenüber oder Menschen gegenüber?
- Wo lädt Gott mich ein, neu verbindlich zu werden oder ehrlicher zu sprechen?
Gott hat sein größtes Versprechen am Kreuz gehalten. Darum dürfen wir ruhen. Und aus dieser Ruhe heraus lädt er uns ein, Menschen zu sein, deren Wort Gewicht hat.
Herzlichst
Kurt Buehler