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Das Wort zum Sabbat

Mit "vier Augen" leben

Können Sie "vieräugig" leben? Auf sprichwörtliche Weise tut dies ein südamerikanischer Fisch, dem unser Schöpfer eine besondere Eigenart schenkte. Der Fisch enthielt große, stark hervortretende Augen mit Luftlinsen auf der oberen und Wasserlinsen auf der unteren Hälfte. Wenn dieser elritzenähnlicher Fisch, der im Volksmund "Vieräugler" heißt, an der Wasseroberfläche entlang schwimmt, sieht er sowohl die Welt über dem Wasser, aber auch das, was sich unter der Wasseroberfläche abspielt.

Meinen Sie nicht, dass wir wie dieser kleine Fisch sein sollen? Wir leben sozusagen mit dem Blick auf zwei Welten bzw. auf zwei Realitäten. Die eine Welt, die wir sehen, ist die Welt, in der jetzt tagtäglich leben -- unser Umfeld, die Gesellschaft. Und Jesus will es so haben, denn wir sollen uns nicht zurückziehen: " Ich bitte dich nicht, dass du sie aus der Welt nimmst ... Wie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt" (Johannes 17,15. 18).

Auf der einen Seite soll unser Blick auf unser Umfeld gerichtet sein, zum einen, damit wir "vor dem Bösen bewahrt" werden (ebenda), denn wir sollen Gefahren erkennen und sie meiden (Sprüche 22,3). Wir sollen aber auch ein Licht sein für unser Umfeld (Matthäus 5,14-16), und das können wir nur sein, wenn wir unser Umfeld kennen -- und unser Umfeld uns kennt. Darüber hinaus können wir unseren Nächsten kaum lieben wie uns selbst, wenn wir unseren Nächsten komplett ignorieren. Wir sollen also die Welt, in der wir leben, wahrnehmen.

Unser Blick soll aber auch, im Sinne einer transzendenten Zielsetzung für das Leben, himmelwärts gerichtet sein: "Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist" (Kolosser 3,1-2). So sind wir in der Lage zu erleben, dass das was Gott sagt, richtig und wahr ist. Mit dem Blick auch nach oben gerichtet können wir potenzielle Konflikte zwischen Gottes Erwartung an uns und den Maßstäben unseres Umfelds zu erkennen und uns für Gott entscheiden, denn der Blick nach oben orientiert sich an einer zukünftigen Belohnung: "Wer zu Gott kommen will, der muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn gibt" (Hebräer 11,6). Der Blick nach oben spielt das erste der beiden großen Gebote wider -- die Liebe zu Gott.

Im Gegensatz zu dem südamerikanischen Fisch sind wir nicht mit "geteilten Augen" auf die Welt gekommen, aber durch den heiligen Geist, durch den Jesus Christus in uns wohnt, wurde unser Sehvermögen bildlich um einhundert Prozent erweitert. Wir können jetzt "vieräugig" sehen und so nach beiden großen Geboten leben, in denen die Zehn Gebote zusammengefasst sind.

In diesem Sinn wünsche ich allen einen gesegneten Sabbat.

In christlicher Verbundenheit

Paul Kieffer

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