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Das Wort zum Sabbat

Die Gerechtigkeit der Pharisäer

Wir nähern uns wieder der Passahzeit. Wie jedes Jahr werden wir dazu angehalten, uns selbst zu prüfen. Hierbei stoßen wir meist auch auf die Stelle in Mt. 5,20: „Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer nicht weit übertrifft, so werdet ihr gar nicht in das Reich der Himmel eingehen!“

Aber was heißt das für uns konkret? Christus spricht den Pharisäern zumindest eine gewisse Gerechtigkeit zu, die für sich genommen aber nicht ausreichend ist. Wir sehen das am Beispiel der Bemessung des Zehnten in Mt 23,23. Christus kritisiert hier nicht ihre pedantische Genauigkeit, sondern die wichtigeren Dinge des Gesetzes zu vernachlässigen: Recht, Barmherzigkeit, Glauben. „Solches sollt ihr tun“, sagt er und ergänzt: „jenes nicht lassen“. Wir werden aufgefordert, den Buchstaben des Gesetzes zu erfüllen und dabei den wichtigeren geistigen Aspekt nicht zu vernachlässigen. Wir erreichen dies, indem wir lernen, die Gerechtigkeit der Pharisäer von der Gottes zu unterscheiden.

Quelle der Gerechtigkeit

  • Die Gerechtigkeit der Pharisäer basiert auf der eigenen Leistung, der Gesetzeserfüllung aus Tradition (Rö 10,3). Auch wir sollen den Buchstaben des Gesetzes erfüllen, ABER:
  • Unsere Quelle der Gerechtigkeit ist Christus, die wir durch den Glauben anzapfen (Phil 3, 9).

Sichtbarkeit der Gerechtigkeit

  • Die Pharisäer legen Wert auf ihr persönliches Ansehen und die Sichtbarkeit nach außen durch Rituale und Regeln (Mt 15,8)
  • Die Gerechtigkeit Christi hingegen beginnt im Herzen und wirkt nach außen (Hes 11,19; Mt 5,8). Sie zeigt sich in Liebe (Gal 5,6), nicht nur in der Umsetzung des Buchstabens.

Frucht der Gerechtigkeit

  • Die Gerechtigkeit der Pharisäer äußert sich in Stolz, in Vergleichen mit anderen und deren Verachtung (Lk 18,9-14)
  • Die wahre Gerechtigkeit bewirkt Demut, Liebe, Barmherzigkeit (Kol 3,12-14; Micha 6,8)

Wenn wir versuchen, unsere eigene Gerechtigkeit aufzurichten, dann haben wir uns noch nicht der Gerechtigkeit Gottes unterworfen (Rö 10,3). Mit anderen Worten: Wir müssen Gottes Gerechtigkeit zu unserer machen. Sie muss über Äußerlichkeiten hinausgehen und aus unserem erneuerten Herzen sprudeln.

Denken wir in unserer persönlichen Passahvorbereitung an die Gerechtigkeit der Pharisäer als Mahnung. Sie sagt: Schau, was ich tue! Die Gerechtigkeit Jesu spricht: Schau, was Christus für mich getan hat. Darum liebe ich ihn und will seinen Charakter entwickeln und mich in meinem Denken, Reden und Handeln ändern. Also seine Gebote halten, dem Buchstaben nach wie die Pharisäer und zusätzlich auch dem Geiste nach. Dann ist unsere Gerechtigkeit besser als die der Pharisäer.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen gesegneten Sabbat und eine erfolgreiche Passahvorbereitung.

Kuno Pfeiffer

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